Symbolische Aufstellung

von Sven Frischmuth

12. Juli 2017

Manchmal können nur noch kleine grüne Monster helfen, um aus einer ver­trackten Situation heraus­zu­finden: Konflikte im Team, wider­sprüch­liche Ziel­vor­gaben, ein Projekt droht zu scheitern. Schon alles probiert, doch nichts funktioniert!

Der Berufsalltag konfrontiert uns immer wieder mit kniff­ligen Situ­a­ti­onen, in denen der Betroffene sich an einer Sisyphos­aufgabe auf­reibt und dabei einen problem­orien­tier­ten Tunnel­blick ent­wickelt. Als Coach und Berater treffe ich dann meist auf eine Stimmung zwischen Rat­losig­keit und Ver­zweif­lung. Eine ver­fahrene Kiste, in die irgendwie wieder Bewe­gung rein­kommen muss.

Dann packe ich gern meine kleinen Monster aus. Und was mache ich damit?

Nun, eine meiner Lieblings­methoden ist die symbo­lische Auf­stellung. Sie ist die kleine Schwester der System­auf­stellung (z.B. Familien­auf­stellung), bei der echte Per­sonen als Ver­treter auf­ge­stellt werden. Bei der symbo­lischen Auf­stellung nehmen wir kleine Figuren oder Gegen­stände als symbo­lische Ver­treter. Damit können ohne viel Auf­wand soziale Systeme visua­li­siert werden, ihre Beziehungen und Wechsel­wirkungen. Die symbolische Auf­stellung hilft, neue Sicht­weisen auf ein sattsam bekanntes Problem zu entwickeln und in deren Folge neue Lösungs- und Veränderungs­schritte. Der konkrete Ablauf sieht ungefähr so aus:

1. Aufstellung

Der Ratsuchende bekommt von mir die kleinen Monster mit der Bitte, für alle involvierten Personen einen symbolischen Vertreter aus­zu­wählen und so auf­zu­stellen, dass das herr­schende Beziehungs­ge­flecht am besten abge­bildet wird. Die meisten meiner Mandanten reagieren erstmal verblüfft auf meinen Wunsch und verge­wissern sich, ob ich das ernst meine. Nach der ersten Schreck­sekunde machen sie sich aber konzen­triert und geradezu heiter ans Werk.

Ich versuche bei der Aufstellung zu unter­stützen, indem ich z.B. frage

  • Wer spielt bei der gerade genannten Situation alles eine Rolle?
  • Wie stehen Sie zu x?
  • Was sollten wir noch berück­sichtigen, um ein passendes Bild zu bekommen?

Falls es unüber­sichtlich ist, können mit kleinen Post-its die Symbole auch bezeichnet werden. Wenn die erste Auf­stellung steht, hake ich nach: Kann das noch feiner justiert werden? Stimmen alle Abstände, Höhen­unter­schiede, Haltungen, Blick­richtungen zwischen den symbo­lischen Vertretern?

2. Perspektivwechsel

Im zweiten Schritt ermuntere ich dazu, sich die Konstellation aus verschiedenen Blick­richtungen anzusehen, also aufstehen, um den Tisch zu laufen und aus allen Ecken mal drauf­zu­schauen. Nun kommen alle Arten von systemischen Fragen zum Einsatz, die den Perspektiv­wechsel fördern:

  • Schauen Sie mal von hier – was mag x wohl zu dieser Konstellation sagen?
  • Was denken Sie, wie sich x fühlt, wenn er y und z sieht?
  • Was müsste sich denn aus der Sicht von y verändern, damit sich die Situation besser anfühlt?

Zwischendurch fasse ich die gerade gewonnenen An- und Ein­sichten zusammen. An dieser Stelle hat der Rat­suchende oft den Impuls, neue, alter­native Szenarien aus­zu­probieren und beginnt, die Symbole neu zu positio­nieren. Ansonsten frage ich lösungs­orientiert nach.

3. Next steps

Wenn sich genügend neue Gedanken ergeben haben, kann die Sitzung mit einem Blick nach vorn beendet werden:

  • Was möchten Sie jetzt als Nächstes tun?
  • Wer könnte Ihnen dabei Unter­stützung geben?
  • Woran merken Sie, dass sich die Dinge positiv entwickeln?

Als letztes fotografiere ich die Aufstellung von allen Seiten und maile sie sofort dem Mandanten. Oft führt auch die gedank­liche Aus­ein­ander­setzung im Nach­gang zu weiteren Ideen.

Die symbolische Aufstellung funktioniert natürlich nicht nur mit kleinen grünen Monstern. Gummi­bärchen gehen auch. Oder Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel­figuren. Oder man impro­vi­siert mit Gegen­ständen, die im Kon­ferenz­raum oder auf dem Schreib­tisch gerade vor­handen sind: Büro­klammern, Kekse, Kaffee­tassen. Das Ziel ist dabei immer, neue Perspek­tiven zu entdecken.

Und unsere Sichtweise entscheidet, ob wir nur ein Problem oder auch eine Lösung sehen.